Fridays for Future, Abschaffung der Ölheizung, CO2-Preise, Flugscham, Wasserstoff, höhere E-Auto-Förderung und billigeres Bahnfahren – die Klimapolitik in Deutschland hat 2019 nicht nur Fahrt aufgenommen, sie hat auch viele Endverbraucher verunsichert. Ob sie deshalb ihre selbstgesteckten Ziele erfüllt, steht dennoch in den Sternen. Für den Energiehandel wird sich der Wandel auf jeden Fall beschleunigen – mit allen Umbrüchen und Chancen.

Glaubt man so mancher Protestbewegung, ist das baldige Ende der Menschheit nur noch mit dem totalen Umbau des Wirtschafts- und Gesellschaftssystems und mit einer ultimativen Verzichtsmoral zu verhindern. Mit solchen Prophezeiungen und dem Hinweis auf die selbstgesteckten Klimaziele trieb die Straße die Politik geradezu vor sich her und verpasste den Klimaschutzkonzepten einen gewaltigen Schub.

Dass man damit weder die Mehrheit der Otto-Normalbürger für eine Energiewende begeistert noch als etablierte Volkspartei Wahlen gewinnt, hat sich im abgelaufenen Jahr ebenso gezeigt, wie die Tatsache, dass alle Maßnahmen in der Praxis auch umsetzbar sein müssen und vor diesem Hintergrund ideologisierte Maximalforderungen schnell zu Minimalbeschlüssen zusammenschrumpfen.

Trotzdem ergeben sich aus den energiepolitischen Vorgaben (Stichwort: Klimapaket) für die Anbieter von Brenn- und Kraftstoffen und folglich für die dafür notwendige Logistik eine Reihe von Trends, die über das kommende Jahr weit hinausreichen.

Mineralölabsatz

Bis die E-Mobilität an der Tankstelle Auswirkungen zeigt, dürfte noch dauern. Von 47 Millionen Pkw waren zu Jahresbeginn 2019 rund 83.000 rein batterie-elektrische Fahrzeuge (BEV) und 341.000 Hybrid-Pkw in Deutschland unterwegs. Bis einschließlich Oktober kamen noch knapp 53.000 BEV und rund 190.000 Hybrid-Pkw hinzu, wobei letztere aber nach Erfahrungsberichten überwiegend – vor allem auf längeren Strecken – als Verbrenner genutzt werden.

So blieb der Absatz an Diesel und Ottokraftstoff nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres kaum verändert auf dem Niveau von 2018.

Der Bedarf an Flugbenzin erhöhte sich sogar um 4 Prozent.

Positiv sah auch der Wärmemarkt aus: Hier stieg die Nachfrage nach Heizöl EL um rund ein Viertel. Die politische Diskussion um die Ölheizung erreichte den Wärmemarkt in diesem Jahr also noch nicht. Vielmehr dürften Verschiebungen der Bestellmengen nach dem Niedrigwasser in 2018 wesentlich für das Zehnjahreshoch des Heizölabsatzes im Januar 2019 verantwortlich gewesen sein.

Der Transportbedarf im Mineralölbereich blieb dementsprechend hoch, was sich in der stabilen Nachfrage nach neuen Tankfahrzeugen dokumentierte.

Pellet und Gas

Das trifft auch für Spezialfahrzeuge wie etwa für Holzpellets zu. Zwar blieb der Zubau an neuen Pellet-Heizanlagen vergleichsweise gering, Das Produktionsvolumen der kleinen Presslinge erreichte aber im dritten Quartal 2019 einen neuen Rekordwert.

Interessant ist auch der offenbar wachsende Bedarf an Flüssiggas im Wärmemarkt, der entsprechende Transportkapazitäten erfordert.

Zukunft

Dieser Trend könnte sich in den kommenden Jahren fortsetzen. Wie schnell und in welchem Umfang die energiepolitischen Beschlüsse der Bundesregierung nun im Markt tatsächlich sichtbar werden, bleibt abzuwarten. Abrupte Veränderungen sind indes nicht in Sicht und damit auch nicht für den Logistikbereich. Langfristig dürfte sich aber der Bedarf an Mineralöl reduzieren und der Markt im Inland schnelleren Veränderungen unterworfen sein als beispielsweise der in Süd- und Osteuropa. Der Exportanteil könnte im Tankfahrzeugbereich demnach an Bedeutung gewinnen, ebenso wie Spezialfahrzeuge für Schmierstoffe, Pellets, Flüssiggas oder Flugfeldbetankung.