Die Logistikbranche hat mit den Auswirkungen des Ukraine-Krieges schwer zu kämpfen. Hohe Kraftstoffpreise und ein sich weiter zuspitzender Fahrermangel machen den Unternehmen zu schaffen. Gleichzeitig gehen die Emissionen im Verkehr nicht wie politisch angestrebt zurück.

19 Prozent der Treibhausgasemissionen in Deutschland entfallen auf den Verkehrsbereich. Das Problem dabei: Im Vergleich zu den anderen Sektoren hat sich der Ausstoß des Verkehrs zwischen 1990 und 2021 kaum verringert – nach Angaben des Umweltbundesamtes (UBA) um lediglich 9,4 Prozent. Die Ursache: Die Effizienzgewinne bei der Fahrzeugtechnik worden durch die wachsende Zahl an Autos und die zunehmende Güterverkehrsleistung weitgehend kompensiert. Daran konnte auch die Corona-Pandemie nur wenig ändern.

Sollen die Ziele des Bundes-Klimaschutzgesetz (KSG) eingehalten werden, müssten die Treibhausgasemissionen des Verkehrs laut UBA bis zum Jahr 2030 auf 85 Mio. t CO2-Äq. sinken. Im Vergleich zum Jahr 2019 wäre das fast eine Halbierung (-48 %Prozent).

Will Deutschland bis zum Jahr 2045 treibhausgasneutral werden, hieße das für den Verkehrssektor voraussichtlich die Reduktion der Treibhausgasemissionen auf Null. Aus Sicht des Umweltbundesamtes sollte eine Minderung der Treibhausgasemissionen in Deutschland bis 2030 um mindestens 70 Prozent und bis 2040 um mindestens 90 Prozent gegenüber 1990 erreicht werden.

Wie das UBA einschätzt, können mit den derzeit durch die Politik beschlossenen Klimaschutzmaßnahmen die Treibhausgasemissionen im Verkehr laut aktuellem Projektionsbericht der Bundesregierung bis 2030 aber nur auf rund 126 Mio. t CO2-Äq. gesenkt werden. Damit würde der Verkehrssektor sein Ziel von 85 Mio. t CO2-Äq. um mehr als 40 Mio. t CO2-Äq verfehlen. Auch die im Bundes-Klimaschutzgesetz festgelegten Emissionsziele für die einzelnen Jahre bis 2030 würden überschritten. Das und die Verfehlung des Sektorziels für das Jahr 2021 erhöhen den Druck auf die Politik, im Verkehrssektor nachzusteuern und bei allen Klimaschutzmaßnahmen ein deutlich höheres Tempo vorzulegen.

Investitionen in neue, klimaschonende Fahrzeuge werden aber durch die derzeitige Situation deutlich erschwert. Den Fahrzeugherstellern fehlt es an wichtigen Bauteilen und Materialien. So ist die Ukraine etwa ein zentraler Zulieferer von Kabelbäumen. Beim Münchner Lkw- und Bushersteller MAN steht die Produktion wegen der Versorgungslücken voraussichtlich noch mehrere Wochen lang still.

Preisexplosion und Fahrermangel

Die Speditionsbranche plagen aber noch weitere Sorgen. Nicht nur der Dachverband der Mobilitäts- und Logistikbranche Rheinland-Pfalz (MOLO) verweist darauf, dass die Preisexplosion bei den Kraftstoffen eine zunehmende Gefahr für die Existenz der mittelständischen Transportunternehmen darstellt. Dies würde die Versorgung von Gütern und die Mobilität in Frage stellen, warnt der Verband.

Auch der DSLV Bundesverband Spedition und Logistik betont, dass die Energiekosten die Frachtraten aller Verkehrsträger nach oben treiben und sämtliche Wertschöpfungsstufen der Logistikbranche belasten.

Aus dem Markt gibt es bereits Berichte, dass mittelständische Spediteure immer stärker unter wirtschaftlichen Druck geraten, weil sie bei laufenden Verträgen die gestiegenen Kosten nicht oder nur teilweise an die Kunden weitergeben können. Überdies befinden sich deutsche Spediteure im Wettbewerb mit ausländischen Anbietern.

Die Situation ist auch bei der Politik angekommen. Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Digitales und Verkehr, Oliver Luksic (FDP), verwies am 16. März im Verkehrsausschuss auf die massiven Auswirkungen auf die deutsche Transport- und Logistikbranche in Folge des Ukraine-Krieges und der Sanktionen gegen Russland. Er bewertete die Lage der Branche als „gefährlich“. Viele Fahrten seien ein Minusgeschäft. Daher stehe Bundesregierung in einem engen Dialog mit der Branche, um kurzfristige und mittelfristige Lösungen zu finden.

Ein weiteres Problem ist der akute Fahrermangel. Viele der in Deutschland beschäftigten Fahrer stammten aus der Ukraine, Weißrussland und Russland. Laut Medienberichten fehlen in europäischen Speditionen aktuell rund 100.000 ukrainische Fahrer. Die Situation könne sich weiter verschärfen, wenn Polen verstärkt Reservisten einberufen sollte. Dann könne zusätzlich Personal ausfallen, sagte Luksic.

Quelle: UBA 2022

Quelle: UBA 2022