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Corona lässt grüßen: Das Mobilitätsverhalten der Menschen hat sich in den vergangenen rund 12 Monaten deutlich verändert. Dabei zeigt sich: Die Leute sind nicht nur weniger unterwegs. Sie bevorzugen auch stärker individuelle Möglichkeiten der Fortbewegung. Das Auto wird dabei wieder stärker genutzt.

Drängeln in Bus und Bahn, stundenlang mit dem Zug fahren? Angesichts der Infektionszahlen und der allgemeinen Pflicht, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, ist das für immer weniger Menschen erstrebenswert.

So ergab beispielsweise eine Umfrage der Deutschen Energie-Agentur (Dena), dass fast jeder Dritte sein Mobilitätsverhalten während der Corona-Pandemie geändert hat – besonders diejenigen, die bisher den Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) oder die Bahn genutzt hatten. Insgesamt 66 Prozent der regelmäßigen ÖPNV-Fahrer gaben an, in Corona-Zeiten seltener auf das öffentliche Angebot zurückzugreifen. Die beliebtesten Alternativen sind lauf Dena Fahrradfahren (43 Prozent), zu Fuß gehen (40 Prozent), Sharing (34 Prozent) und das eigene Auto (29 Prozent).

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) stellte in einer Studie ebenfalls einen dramatischen Rückgang bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel fest. Interessant ist dabei auch die Aussage der DLR-Studie, dass das Mobilitätsverhalten von Routinen geprägt ist, die selbst in der Krise eine hohe Stabilität aufweisen. Allerdings bilden sich auch neue Routinen – etwa eine häufigere Nutzung des privaten Pkw. Für die Zukunft bedeutet dies, dass 18 Prozent der Befragten mehr zu Fuß gehen und 6 Prozent mehr Fahrrad fahren wollen. 9 Prozent gehen davon aus, künftig das Auto mehr zu nutzen und 19 Prozent wollen seltener in öffentliche Nahverkehrsmittel einsteigen.

Die Continental Mobilitätsstudie 2020 stellt sogar fest, dass rund die Hälfte der Deutschen weniger auf öffentliche Verkehrsmittel zurückgreifen wollen.

Autonutzung – aber wie?
Autonutzung kann indes sehr verschieden erfolgen. Daher ging die Continental-Studie der Frage nach welche Mobilitätskonzepte und Antriebsformen das Rennen machen könnten.

Während Sharing-Konzepte in einigen Ländern stark genutzt werden, bevorzugen die Menschen in Deutschland eher klassische Mobilitätskonzepte. „Der Individualverkehr auf Basis des Autos ist im Alltag der meisten Menschen fest verankert und wird es wohl noch lang bleiben, insbesondere im ländlichen Raum. Denn dort ist aktuell die Wahrscheinlichkeit größer, dass die Haushalte ein eigenes Auto haben. Neue Mobilitätskonzepte bestimmen die Diskussion um die Zukunft der Mobilität – aber nicht die Lebensrealität der meisten Menschen. Weit mehr als 80 Prozent der Befragten besitzen das Auto, mit dem sie regelmäßig fahren“, so die Studienautoren.

Und wie steht es um das E-Auto? Rund ein Drittel der Befragten in Deutschland gibt laut Continental-Studie an, sich den Kauf eines Elektroautos vorstellen zu können. Im Jahr 2013 waren dies nur 17 Prozent.

Das bedeutet aber auch: zwei Drittel können sich das nicht vorstellen. Als Hauptgründe werden die bekannten Klassiker angeführt: fehlende Ladestationen, die geringe Reichweite sowie die Notwendigkeit von Vorplanung und längeren Pausen bei weiteren Strecken. Mit einigem Abstand auf Platz vier liegt in Deutschland der zu hohe Preis.

Überdies zweifelt nach der Continental-Studie ein Drittel der Deutschen daran, dass ein Elektroauto tatsächlich umweltfreundlich ist. Darüber hinaus zeigen die Umfragedaten, dass die Vorbehalte eher struktureller Natur sind und sich durch die gerade in Deutschland geltende hohe Kaufprämie kaum nachhaltig lösen lassen werden.

Fazit: Corona-bedingt ist das Auto wieder auf dem Vormarsch und es wird auch in näherer Zukunft überwiegend mit Verbrennungsmotoren angetrieben. Das verdeutlicht auch die Januar-Auswertung des Kraftfahrt-Bundesamtes. Danach sind über 90 Prozent der Anfang 2021 neu zugelassenen Fahrzeuge (einschließlich Hybrid-Autos) mit einem Verbrennungsmotor ausgerüstet.

Da das Durchschnittsalter des Fahrzeugbestandes heute bei etwa zehn Jahren liegt, müssen also Lösungen gefunden werden, um den CO2-Ausstoß im Fahrzeugbestand zu senken. Batteriebetriebene Autos helfen da nicht. Eine derzeit viel diskutierte Alternative sind CO2-neutrale Kraftstoffe wie die mittels erneuerbarem Strom aus Wasserstoff und CO2 hergestellten E-Fuels.

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