Die Zahlen sind erschreckend und das Problem nimmt zu. In Deutschland sind die Fahrer knapp und der Bedarf steigt. Dabei hat die Mineralölbranche ein besonderes Problem, denn Gefahrgutfahrer brauchen eine zusätzliche, kostspielige Ausbildung, müssen komplexe Arbeitsaufgaben erfüllen und tragen eine hohe Verantwortung. Der Wirtschaftsbereich Logistik umfasst nach den Angaben der Bundesvereinigung Logistik rund 60.000 Unternehmen, in denen etwa 3,2 Millionen Frauen und Männer tätig sind und ist damit der drittgrößte deutsche Wirtschaftsbereich.

Das Problem ist . . .

… hier nicht anders als in anderen Branchen: Es werden dringend Fachkräfte gebraucht. Besonders groß ist derzeit der Mangel an Berufskraftfahrern, die Waren und Güter im Nah- und Fernverkehr befördern. Wie der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung vorrechnet, scheiden jedes Jahr in Deutschland etwa 67.000 Berufskraftfahrer aus dem Berufsleben aus. Es können jedoch nur knapp 27.000 neue Fahrer hinzugewonnen werden. Damit fehlen jährlich etwa 40.000 Fahrer, was inzwischen zu akuten Engpässen in der gesamten Logistikbranche führt.

Dabei dürfte der Bedarf an Fahrern in den kommenden Jahren weiter steigen. Der Güterverkehr auf der Straße nimmt zu. Laut Prognose des Bundesamtes für Güterverkehr steigt die Transportleistung in den beiden Jahren 2019 und 2020 jeweils um mehr als 3 Prozent. Gleichzeitig sollen im Zuge der Verkehrswende die Leute verstärkt vom privaten Pkw auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen.

Dabei ist es völlig egal, ob Lkw, Bus oder Kleintransporter für den Lieferverkehr auf der letzten Meile, ob mit Diesel, Gas oder Strom angetrieben – jedes Fahrzeug muss gefahren werden.

Eine breite Verbändeallianz aus Transport, Logistik, Industrie und Handel warnt deshalb vor einem Versorgungskollaps und übergab schon im Dezember 2018 an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer einen Fünf-Punkte-Plan gegen Logistikengpässe und Fahrermangel im Straßengüterverkehr. Darin geht es zu allererst um die Erhöhung der Attraktivität des Fahrerberufs sowie um die Verbesserung von Ausbildung und Qualifizierung, beispielsweise durch Führerschein-Förderung für Quereinsteiger mittels Bildungsgutscheinen und steuerlichen Anreizen.

Zwei wichtige Aspekte, die neben der Digitalisierung auch die Mineralöllogistik unmittelbar betreffen. Denn wenn überall Fahrer fehlen, ist der Arbeitsmarkt auch für die Mineralölunternehmen leergefegt.

Sicher haben die den Vorteil, im Vergleich zum Fernverkehr regelmäßige Arbeitszeiten und einen im Allgemeinen ortsnahen Einsatz bieten zu können. Dafür trägt ein Gefahrgutfahrer aber eine besondere Verantwortung, braucht eine Spezialausbildung und muss neben der reinen Fahrtätigkeit viele weitere Aufgaben erfüllen. Letztlich ist er das „Aushängeschild“ des Unternehmens, der erste Ansprechpartner etwa eines Heizöl- oder Pellet-Kunden bei Fachfragen zum Produkt. Häufig soll er die Bezahlung gleich am Tankwagen abwickeln und einen 40 Meter langen Schlauch bei Wind und Wetter so durch den Vorgarten zu ziehen, dass er keine Schäden an der geliebten Bepflanzung anrichtet, ist auch nicht immer so leicht.

Das Fahrerhaus selbst wird dabei mehr und mehr zur Hightech-Zentrale mit etlichen Hilfs- und Überwachungsfunktionen. Wer für einen solchen Einsatz die passende Arbeitskraft sucht, kann nicht jeden nehmen.

Für die Unternehmen bedeutet das, langfristige Nachwuchskonzepte zu entwickeln, junge Menschen für die Branche zu begeistern, Zukunftsoptionen zu schaffen und Anreize zu setzen, die nicht nur materieller Natur sind.

Bei speziellen Fahrtrainings wie hier beim BBZ Nordhausen über die Fahrer ihre Tankwagen auch bei Extremsituationen sicher zu beherrschen, um Unfällen im realen Straßenverkehr vorzubeugen. // Foto: Archiv