Während in der Politik noch immer hauptsächlich auf die Verstromung des Verkehrs gesetzt wird, beweisen immer mehr umweltfreundliche Kraftstoffe ihre Praxistauglichkeit. Dazu einige Beispiele.

Foto: CAC

Porsche, der eFuels-Pionier

In einer bisher einzigartigen Anlage will der zum VW-Konzern gehörende Sportwagen-Hersteller in der eFuels-Anlage „Haru Oni“ in der Nähe der südchilenischen Stadt Punta Arenas aus Windstrom, Wasser und CO2, klimaneutralen Kraftstoff Herstellen.

MAN Energy Solutions hat die Methanolsyntheseeinheit für die eFuels-Pilotanlage zur Produktion der synthetischen Kraftstoffe bereits fertiggestellt und nach Chile geliefert. Der Reaktor wird jährlich bis zu 750 Tonnen grünes Methanol aus Windstrom produzieren, das zu großen Teilen in klimaneutralen Ottokraftstoff umgewandelt werden soll. Im Herbst 2022 soll die Produktion starten. In der Pilotphase werden zunächst rund 130.000 Liter eFuels erzeugt. Bis Mitte des Jahrzehnts soll die Kapazität schrittweise auf eine industrielle Größenordnung erhöht werden.

Die eFuels sollen bereits im laufenden Jahr erstmals im Rennsport eingesetzt werden und hier ihre Praxistauglichkeit unter Beweis stellen.

Swiss nutzt solaren Flugtreibstoff

Die Schweizer Fluggesellschaft Swiss und die Lufthansa Group haben mit Synhelion eine strategische Zusammenarbeit zur Markteinführung von solarem Treibstoff vereinbart. Damit wird Swiss die weltweit erste Fluggesellschaft, die sogenannten Sun-to-Liquid Treibstoff nutzt. Synhelion hat eine Schlüsseltechnologie zur Erzeugung von nachhaltigen Flugtreibstoffen (Sustainable Aviation Fuel, SAF) aus erneuerbaren Energien entwickelt. Bei dem Verfahren wird konzentrierte Solarwärme für die Herstellung von Synthesegas genutzt, aus dem anschließend in industriellen Standardprozessen CO2-neutrales Kerosin synthetisiert wird.

Mit Unterstützung durch Swiss und die Lufthansa Group plant Synhelions die Entwicklung einer kommerziellen Treibstoffanlage in Spanien.

Frittenfett & Co.
In der BP-Raffinerie in Lingen im Emsland BP nahm der Mineralöl- und Energiekonzern die Produktion von Flugbenzin mit Anteilen aus gebrauchtem Speiseöl auf. Nach Unternehmensangaben strebt BP bei nachhaltigem Flugkraftstoff einen Weltmarktanteil von 20 Prozent an. Kerosin mit fünf Prozent Bioanteil ist ohne Abstriche bei Leistung und Sicherheit für den Flugverkehr zugelassen.

Kraftstoff aus Holz
Forschende am Campus Straubing für Biotechnologie und Nachhaltigkeit der Technischen Universität München (TUM) haben gemeinsam mit der Technischen Universität Lappeenranta-Lahti (LUT) in Finnland einen neuen Prozess zur Herstellung von Ethanol entwickelt. Dabei werden Reststoffe aus der Forstwirtschaft gemeinsam mit Wasserstoff genutzt. Der Wasserstoff soll durch die Zerlegung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff mithilfe von Strom – also per Wasserelektrolyse – hergestellt werden. Dazu kann zukünftig der Überschussstrom – beispielsweise aus Windkraftanlagen – für die Herstellung von Ethanol genutzt werden.

Auch die wirtschaftliche Machbarkeit haben die Forscher bewertet. Danach betrugen die niedrigsten Kosten für Ethanol in den Modellierungen 0,65 Euro pro Liter bei Biomassekosten von 20 Euro pro Megawattstunde, Stromkosten von 45 Euro pro Megawattstunde und einer Produktionsmenge von etwa 42 Kilotonnen Ethanol pro Jahr. Damit sei Ethanol auf Basis von Lignozellulose mit den derzeitigen Herstellungsvarianten durchaus wettbewerbsfähig.

Härtetest auf dem Nürburgring

Erstmals wird das Team „TGR-E United“ beim ADAC TotalEnergies 24h-Rennen Nürburgring mit einem Fahrzeug starten, welches nicht mit fossilem, sondern mit klimafreundlichem und fast CO2 neutralem synthetischen Kraftstoff betankt wird. Dazu wird das Mitarbeiter-Team von TOYOTA GAZOO Racing Europe einen GR Supra GT4 einsetzen, der in der Motorsport-Zentrale in Köln entwickelt und mit einem seriennahen Dreiliter-Sechszylindermotor ausgestattet wurde, der speziell für den Motorsport-Einsatz optimiert wurde und 320 kW (430 PS) leistet.

Mit dem Einsatz beim Langstreckenklassiker in der Eifel wird die neue Technologie einem absoluten Härtetest unterzogen: einer 24-Stunden-Vollgashatz auf der anspruchsvollsten Rennstrecke der Welt.

Dirk Wullenweber, Projektleiter „Race2efuels“ und Bereichsleiter Marketing & Handel der LOTHER Gruppe (Besitzer der NORDOEL Tankstellen) erklärt den großen Vorteil des synthetischen Kraftstoffes „Racing eFuels 98“ des „Race2efuels“-Projekts: „Er kann sofort in jedem Verbrennungsmotor verwendet werden, der sonst normales Super Benzin benötigt. So lässt sich die vorhandene Tankstellen-Infrastruktur für einen mineralölfreien und quasi CO2 neutralen und somit klimafreundlichen Treibstoff nutzen.

Hergestellt wird dieses bereits REACH zertifizierte, synthetische Benzin von Chemieanlagenbau Chemnitz (CAC) in Zusammenarbeit mit der TU Bergakademie Freiberg. Hier betreiben CAC und die technische Universität Europas größte Demo-Anlage mit einer theoretischen Produktionskapazität von einer Mio. Liter pro Jahr. Rund 46.000 Liter des synthetischen Kraftstoffes wurden zu Prüfstandtests sowie Flottenversuchen Automobil- und Motorradherstellern zur Verfügung gestellt und durchweg positiv bewertet. Jetzt soll der Kraftstoff beim härtesten Langstreckenrennen der Welt, beim 24h-Nürburgring, zeigen, dass er auch eine absolut harte Tour locker übersteht und seine Dauerfestigkeit beweist.