Noch wirkt die Corona-Pandemie nach, da entstehen schon neue Fragen: Wie wird sich der Wandel im Energiebereich auf die Fahrzeugbauer auswirken? Welche neuen Kundenanforderungen gilt es zu berücksichtigen? In welchen Bereichen lohnt es sich zu investieren? Wie sieht ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell aus?

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Die Energiewende beschleunigt sich weiter. Und mit der neuen Bundesregierung wird wohl das Tempo noch zulegen, denn Deutschland dürfte seine CO2-Emissionsziele ohne zusätzliche Anstrengungen nicht erfüllen.

Ein wesentlicher Bereich ist der Verkehrssektor, dessen CO2-Ausstoß im Jahr 2020 rund 22 Prozent der deutschen Gesamtemissionen ausmachte. Ziel ist hier bis 2030 nach Bundes-Klimaschutzgesetz eine Reduzierung von über 40 Prozent.

Wenn man bedenkt, dass seit 1990 – also im Verlauf von 30 Jahren – die Verkehrs-Emissionen bis 2020 nur um insgesamt rund 11 Prozent gesunken sind, wird deutlich, welcher Umbruch im Verkehrsbereich in den kommenden rund neun Jahren zu bewältigen ist. Hinzu kommt, dass 2020 ein Ausnahmejahr war, da die Verkehrsleistung unter Corona-Bedingungen kurzfristig deutlich sank, die 11 Prozent also eher einen optimistischen Wert darstellen.

Die anstehenden Veränderungen werden auch für die Fahrzeugbauer eine Herausforderung darstellen. Dabei darf aber nicht vergessen werden: Der Bedarf an flüssigen Brenn- und Kraftstoffen wird nicht schlagartig zusammenbrechen. Rund 59 Millionen Kraftfahrzeuge und etwa fünf Millionen Ölheizungen wollen betankt werden und werden nicht von heute auf morgen verschwinden.

Auch wird immer deutlicher: Dieser Bestand kann nicht komplett elektrifiziert werden. Auch künftig wird es eine Nachfrage nach flüssigen Brenn- und Kraftstoffen geben, die dann immer CO2-ärmer sind.

Es bleibt also auch in den kommenden Jahren ein entsprechender Bedarf an Tankfahrzeugen, der bedient werden muss.

Derzeit sprechen die Fahrzeugbauer von einer überwiegend stagnierenden bis teilweise rückläufigen Nachfrage auf dem Fahrzeugmarkt. Wobei es hier durchaus deutliche Unterschiede gibt. Bei Verteilerfahrzeugen, Hängerzügen und Sattelaufliegern läuft das Geschäft besser, bei Fahrzeugen für die Flugfeldbetankung ist der Absatz zusammengebrochen.

Im Exportgeschäft zeichnet sich ebenfalls ein differenziertes Bild ab, da die Länder unterschiedlich von Corona betroffen sind. Bei Spezialaufbauten sprechen die Firmen von einer gleichbleibenden Auftragslage und teilweise wieder einem leichten Wachstum.

Die Corona-Pandemie führte generell zu Beeinträchtigungen der Lieferketten. Bei den Fahrzeugbauern betraf dies beispielsweise Messanlagen, Chassis oder Kleinteile, die stark verzögert angeliefert wurden. Auch waren Materialpreissteigerungen zu verzeichnen. Die Unternehmen reagierten mit einer vorausschauenden Einkaufspolitik und sicherten damit ihre Auftragsbearbeitung ab.

Weiterhin positiv für die Zukunft: Durch einen verstärkten Wechsel von fossilen zu biogenen oder synthetischen Brenn- und Kraftstoffen werden nur geringe technische Anpassungen im Fahrzeug- und Armaturenbereich erwartet. Hier sind die Fahrzeugbauer also gut aufgestellt.

Für weitere Optionen gibt es bereits erste Ansätze. Zu erwähnen sei hier der Transport von Wasserstoff, aber auch die schrittweise Elektrifizierung im Fahrzeugbereich.

Es ist damit zu rechnen, dass bereits auf der kommenden expo PetroTrans und expo GasTrans in Kassel vom 22. bis 24. September 2022 eine Reihe an interessanten Innovationen zu sehen sind.