Weit in die Zukunft zu blicken, hat angesichts der heftig geführten energiepolitischen Diskussion wohl nur wenig Sinn. Daher nur eine kurze Zusammenfassung, was auf die Branche in den nächsten Monaten zukommen könnte.

Unterm Strich haben die Ungewissheiten im Laufe des aktuellen Jahres ständig zugenommen. In diesem Zusammenhang sind die Corona-Auswirkungen, unsichere Marktprognosen für 2021, der noch ungewisse Ausgang einiger energiepolitischer Diskussionen im Umfeld des EU-Green Deals, die Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und die Umsetzung der europäischen Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED II) in nationales Recht zu nennen. Zwischen all diesen Entwicklungen sollen die Hersteller von Tankfahrzeugen, Softwareunternehmen der Branche sowie Zulieferer von Ausrüstung und Armaturen die Geschäftsentwicklung für das nächste Jahr planen. Eine denkbar schwierige Aufgabe, die die Unternehmen nach eigener Aussage nur mit „vorsichtigem Optimismus“ angehen.

Mit der nun nicht mehr wegzudiskutierenden zweiten Corona-Welle hat sich die Situation nicht verbessert. Schon im Juli – also vor der aktuellen Infektionslage – ging der Kreditversicherer Euler Hermes davon aus, dass 2021 die Unternehmensinsolvenzen im Verhältnis zu 2019 um 12 Prozent steigen werden.

Im Mineralölhandel herrscht vor allem die Unsicherheit vor, was das erste Halbjahr 2021 bringen wird. Dabei ist weniger Corona bestimmend als vielmehr die Einführung des CO2-Preises durch das Brennstoffemissionshandelsgesetz – kurz BEHG – und der wieder steigende Mehrwertsteuersatz. Allein dadurch verteuert sich eine 3.000-Liter-Partie Heizöl um rund 240 Euro. Gleichzeitig steigen die Preise an der Tankstelle und am Erdgasmarkt. Da hier aber die Endkunden nicht im Vorfeld einlagern können, wird sich das nicht in gleicher Weise wie im Heizölgeschäft auf die Nachfrage auswirken.

Wenn – aktuell verstärkt durch die zweite Corona-Welle – die Leute lieber mit dem eigenen Auto als mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind und immer häufiger online bestellen, statt selbst einkaufen zu gehen, könnte das den Kraftstoffbedarf sogar erhöhen. Ein Umstand, der den negativen Auswirkungen auf das Kraftstoffgeschäft durch schlechte Wirtschaftsentwicklung und – auch dank Homeoffice – weniger gefahrenen Kilometern entgegenwirkt.

Auch im Holzpelletsbereich werden steigende Absatzzahlen prognostiziert, was automatisch den Transportbedarf erhöht.
Dagegen dürfte der Schmierstoffabsatz erst wieder das Niveau des vergangenen Jahres erreichen, wenn die Industrie aus ihrem Corona-Tief herausfindet.

Unterm Strich ist der Blick in die Glaskugel 2021 für die Brennstoff- und Mineralöl-Logistik und die dafür tätigen Unternehmen mehr als ungewiss.

Und was die fernere Zukunft bringt, welche Antriebssysteme und Treibstoffe sich durchsetzen, ob wir mehr Wasserstoff, einen steigenden Anteil an CO2-freien synthetischen Brenn- und Kraftstoffen – den sog. E-Fuels – erleben, oder weiter den Fokus auf eine Elektrifizierung des Verkehrs sehen werden, muss man abwarten. Im kommenden Jahr dürften dafür einige entscheidende politische Weichen gestellt werden.

Auf der anderen Seite ist klar: Mit über fünf Millionen Ölheizungen im Gebäudebestand und insgesamt 58 Millionen Fahrzeugen auf deutschen Straßen, von denen die überwiegende Mehrheit einen Verbrennungsmotor an Bord hat, wird der Bedarf an flüssigen Energieträgern und damit auch an Logistik dafür in den kommenden Jahren nicht einfach verschwinden. Das Glas ist also eher halb voll als halb leer.

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