Fahrzeughersteller, Technikanbieter und Softwareunternehmen, die rund um die Energielogistik tätig sind, beurteilen die Auswirkungen von Corona durchaus unterschiedlich. Deutlich wird aber in allen Bereichen: Mit der Pandemie haben sich vor allem die Erwartungen an den Markt verändert und die zu Jahresbeginn noch durchweg positiven Prognosen wurden von zunehmenden Unwägbarkeiten überlagert.

Im Gegensatz zu anderen Branchen – etwa im Veranstaltungs- oder Gastronomie-Gewerbe – waren und sind die Logistik-Unternehmen weniger stark von Corona betroffen. Transporte sind immer nötig und der Heizölhandel verzeichnete beispielsweise infolge des starken Absinkens der Ölpreise eine Sonderentwicklung.

Mit entsprechenden Hygienekonzepten, Verhaltensregeln und Veränderungen in der Arbeitsstruktur reagierten die Unternehmen kurzfristig und wirkungsvoll auf die Infektionsrisiken. Überall stand die Gesundheit von Beschäftigten und Kunden an oberster Stelle.

Die Nachfrage entwickelte sich unterschiedlich. Der zu Jahresbeginn vorherrschende sehr gute Auftragsbestand half zu einem guten Teil über verschiedene Engpässe hinweg. Ein unmittelbarer Umsatzeinbruch konnte vermieden werden. Kurzarbeit war in aller Regel nicht erforderlich.

Bei Heizöl- bzw. Diesel-Verteilerfahrzeugen kam es kaum zu einem Nachfrageeinbruch. Teilweise wurde sogar von einem Zuwachs berichtet. Nur wenige Einzelaufträge wurden storniert oder Auslieferungen auf Kundenwunsch zeitlich etwas verschoben. Spezialfahrzeuge etwa für Holzpellets erlebten einen regelrechten Boom.

Anders sah es im Export und in der Sparte Flugfeldbetankung aus. Eine weltweit beschränkte Investitionsbereitschaft – wohl auch aufgrund unsicherer Märkte – verursachte bei einzelnen Unternehmen Rückgänge im Auslandsgeschäft von bis zu 25 Prozent.
Je nach Unternehmen liegt der Exportanteil im Fahrzeugbereich zwischen 20 und 50 Prozent. Dementsprechend gestaltet sich auch die Bandbreite bei den Prognosen für die kommenden Monate.

Nach einem sehr stabilen Geschäft in 2019 hielten sich die Negativ-Auswirkungen aufgrund des Auftragsvorlaufes im ersten Halbjahr 2020 noch in Grenzen. Angesichts der zweiten Pandemie-Welle, die im Herbst ganz Europa und viele Staaten rund um den Globus erreicht hat, dürften sich die Geschäftserwartungen kaum verbessern – selbst wenn es nicht wieder zu vollständigen Lockdowns kommt.

Beim Thema „Lieferketten“ gehen die Einschätzungen der Unternehmen auseinander: Die Bandbreite reicht von „keine signifikanten Lieferengpässe und nur partielle Verschiebungen“ bis zu „stockende Lieferketten wegen vierwöchigen Produktionsstopps“. Die Folge: Umplanungen von Produktionsabläufen, Verzögerungen und Mehrkosten.

Die größten Herausforderungen ergaben sich im Zusammenspiel mit den Fahrgestell-Herstellern. Und es bleiben offenbar noch eine ganze Reihe an Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit Corona bestehen. Die Firmen können aber nach anfänglich nicht vorherzusehenden Schwierigkeiten mittlerweile mit der Situation immer besser umgehen. So wurde beispielsweise der Materialbestand erhöht, um etwaigen Engpässen entgegenzuwirken.

Hinter ihre Prognosen für 2021 setzen die Unternehmen noch große Fragezeichen. Zwar gibt es teilweise einen Auftragsvorlauf bis ins Jahr 2021 hinein, doch die Rahmenbedingungen bleiben ungewiss. Es kommt daher auf striktes Kostencontrolling an und darauf, die Liquidität im Auge zu behalten.

Alles in allem herrscht aber ein vorsichtiger Optimismus, dass sich die Lage im Laufe des kommenden Jahres wieder normalisiert.

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