Menschen mit einem geringeren Einkommen müssen auch künftig die Chance haben auf individuelle Mobilität mit umweltgerechten Antrieben. Bisher sind aber gerade E-Autos teuer und der Gebrauchtwagenmarkt für Elektro- und Hybridfahrzeuge wächst erst langsam.

Alljährlich gibt der Finanzierungsspezialist Consors Finanz das Automobilbarometer International heraus. Für die aktuelle Verbraucherstudie wurden im September 2020 durch Harris Interactive über 10.000 Personen in 15 Ländern befragt. Dazu zählen neben europäischen Staaten wie Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Polen, Portugal, Spanien, Türkei und Großbritannien auch die USA, Brasilien, China, Japan und Südafrika.

Dabei gibt es viele Übereinstimmungen. So planen weltweit immer mehr Länder, zur Eindämmung des Klimawandels Fahrzeuge mit Diesel- und Benzinmotoren zurückzudrängen oder zu verbieten. Für Menschen mit niedrigem und mittlerem Einkommen führt das zunehmend zu einem Dilemma. Viele von ihnen brauchen aufgrund ihrer Lebensumstände oder der Infrastruktur vor Ort ein Auto. Ein neues, umweltfreundlicheres Fahrzeug können sie sich jedoch oft nur schwer leisten.

Verschärft wurde diese Situation zusätzlich durch die Corona-Pandemie, wie die Studienautoren feststellten. Laut dem Automobilbarometer International von Consors Finanz wollen aufgrund der Krise 35 Prozent der Konsumenten weltweit weniger Geld für den geplanten Autokauf ausgeben. In Deutschland trifft das auf 28 Prozent der Befragten zu. Bei der Gruppe der Geringverdiener sind es weltweit knapp 40 Prozent, in Deutschland mit 48 Prozent sogar knapp die Hälfte.

Bei den Haushalten mit mittlerem Einkommen wollen weltweit 36 Prozent beim nächsten Autokauf sparen und in Deutschland 27 Prozent.

Wahl des Antriebs ist einkommensabhängig
Auffällig ist, dass offenbar auch die Wahl das Antriebes vom Einkommen der Konsumenten abhängt. Denn trotz staatlicher Förderung bleiben E-Autos für einen Teil der einkommensschwächeren Befragten unerschwinglich. Der Grund: Es fallen nicht nur Kosten für den Kauf des Wagens an. In vielen Fällen muss auch eine Ladestation vor der Haustür finanziert werden.

Zu solchen Erwägungen kommen noch die in anderen Studien ermittelten Hinderungsgründe dazu, die noch immer viele von einen E-Auto abhalten. Dazu zählen die mangelnde Reichweite, ein zu gering ausgebautes Ladenetz, hohe Ladestromkosten und Zweifel an dem tatsächlichen Nutzen eines E-Fahrzeuges für den Klimaschutz.

Weltweit planen 30 Prozent der Befragten mit niedrigerem Einkommen, sich beim nächsten Autokauf statt für ein Elektro- oder Hybrid-Autos weiterhin für einen Benziner zu entscheiden. Bei 19 Prozent fällt die Wahl auf einen Diesel. In Deutschland ist die Bereitschaft zur E-Mobilität etwas höher. Hier ist für 33 Prozent der Befragten mit niedrigem Einkommen der Kauf eines Elektro- oder Hybrid-Autos eine Alternative. 24 Prozent sind noch unschlüssig, welcher Antrieb es werden soll.

Für Haushalte mit mittleren Einkommen ist der Erwerb eines Elektro- oder Hybridwagens nach der Auswertung von Consors Finanz schon eher eine Option. Bereits 24 Prozent aus dieser Gruppe beabsichtigen weltweit, einen Hybrid und jeder Sechste ein reines Elektroauto anzuschaffen. 31 Prozent wollen dagegen beim Benziner bleiben. In Deutschland würde sich indes weiterhin knapp die Hälfte der Befragten mit mittlerem Einkommen für einen Benziner entscheiden. Bei nur 18 Prozent fiele die Wahl auf einen Hybrid-Antrieb und bei 14 Prozent auf ein Elektroauto.

Gebrauchte E-Autos als Chance
In wirtschaftlich schwer zu kalkulierenden Zeiten ist weltweit für 38 Prozent der Befragten mit niedrigem Einkommen ein Gebrauchtwagen eine Lösung. Bei den Befragten mit mittlerem Einkommen sind es immerhin noch 28 Prozent (Deutschland: 21 Prozent/22 Prozent).

Damit entwickelt sich der Gebrauchtwagenmarkt zu einer Chance für die E-Mobilität. Andere Analysen zeigen hierbei zusätzlich einen schnellen Wertverlust bei neuen E-Fahrzeugen. So hat sich der Gebrauchtwagenmarkt relativ stabil entwickelt. Der Anteil der Hybrid- und Elektrofahrzeuge an Besitzumschreibungen stieg gleichzeitig laut Kraftfahrt-Bundesamt in 2020 auf 2,10 Prozent an, im Februar 2021 weiter auf 2,57 Prozent, während er in 2019 erst bei 1,2 Prozent lag.

Für Bernd Brauer, Head of Automotive Financial Services bei Consors Finanz, ist es daher wichtig, dass eine Klima- und Verkehrswende sozial verträglich gestaltet wird. Eine finanzielle Unterstützung des Staates kann das fördern. Dass Kaufprämien ein probates Mittel sein können, zeigt nicht zuletzt die hohe Zahl der Neuzulassungen von Elektroautos und Plug-in-Hybriden in Deutschland in 2020.

Bildnachweis/Quelle: © Automobilbarometer 2021 – International / Consors Finanz