Mineralölmarkt – Fakten, Folgen, Fragen

///Mineralölmarkt – Fakten, Folgen, Fragen

Mineralölmarkt – Fakten, Folgen, Fragen

Der Mineralölmarkt 2018 brachte einige Höhen und Tiefen, denen der mittelständische Handel und die einschlägigen Speditionsunternehmen dank einer flexiblen und durchdachten Logistik erfolgreich begegnete und damit eine zuverlässige Versorgung der Endkunden im Wärmemarkt und an der Tankstelle sicherstellte.

Nach den vorliegenden Daten der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen für den deutschen Markt sank der Verbrauch von Mineralöl im vergangenen Jahr insgesamt um 5,6 Prozent. Den stärksten Rückgang verzeichnete der Absatz von Heizöl. Beim Otto- und beim Dieselkraftstoff kam es nur zu leichten Rückgängen, beim Flugkraftstoff dagegen zu einer Absatzsteigerung.

Im Heizölbereich sorgten offenbar einige zusätzliche Faktoren dafür, dass der Absatz nach bisherigen Auswertungen in Deutschland um rund 15 Prozent gefallen ist. Der durch eine Explosion verursachte Ausfall in der Bayernoil-Raffinerie Vohburg seit Anfang September und das gleichzeitig mit Versorgungsengpässen einhergehende Niedrigwasser auf dem Rhein waren zwei Probleme, die so manchem Anbieter im Mineralölgeschäft 2018 die Sorgenfalten auf die Stirn trieben. Besonders betroffen war der Süden der Republik und damit ausgerechnet die Region mit den meisten Heizölkunden.

Bild: Erdölraffinerie // © Eak-sikgun/shutterstock.com

Steigende Preise, steigende Kosten

Diese reagierten auf die Preise, die von September bis November 2018 teilweise erheblich über den derzeitigen lagen, und verschoben ihre Bestellungen oder orderten nur kleinere Mengen nach. Das zeigt, dass im Unterschied zum Tankstellenmarkt, in dem Absatz und Verbrauch nahe beieinander liegen, diese beiden Größen im Wärmemarkt teilweise erheblich auseinanderfallen. Hier nutzen die Heizölkunden ihre sichere Energiereserve in den eigenen Tanks, um Preisspitzen „auszusitzen“, um zu günstigeren Konditionen ihre Bestände wieder aufzufüllen.

Das führt regelmäßig zu starken Nachfrageschwankungen, an die sich der Handel mit seinen Tankfahrzeugen und seinem Fahrpersonal anpassen muss. Dabei erweisen sich die flexibel einsetzbaren Fahrzeugflotten im Mittelstand als großer Vorteil. Diese waren sowohl in der Lage, die Versorgungsengpässe zu meistern als auch absatzschwache Zeiten abzufedern.

Angesichts der zeitweise schwierigen Versorgungslage im Süden Deutschlands wurde vorrübergehend das Sonntagsfahrverbot aufgehoben. Das brachte zwar für den einen oder anderen eine Erleichterung und entzerrte den Druck, mit der gleichen Anzahl an Fahrzeugen eine deutlich höhere Transportleistung umsetzen zu müssen. Viele Unternehmen verwiesen jedoch darauf, dass die begrenzte Zahl an Fahrern das eigentlich limitierende Element war. Um ihren Beschäftigten wenigstens einen Ruhetag in der Woche zu gönnen, blieb der Sonntag trotz der Freigabe überwiegend ungenutzt.

Eine zusätzliche Kostenbelastung von mehreren 1.000 Euro brachte die neue Bundesstraßenmaut ab Juli 2018 für die Logistiker. Das führte trotz harten Wettbewerbs letztlich zu einer Erhöhung der Endverbraucherpreise, da die Unternehmen gezwungen sind, die Gebühren umzulegen, um wirtschaftlich arbeiten zu können.

Trends

Bemerkenswert an der Absatzentwicklung im Jahr 2018 ist auch die erstmals sinkende Nachfrage nicht nur nach Benzin, sondern auch nach Dieselkraftstoff in Deutschland. Trotz steigender Anforderungen an den Lieferverkehr ging nach Jahren kontinuierlicher Aufwärtsentwicklung der Dieselverkauf erstmals um knapp 3 Prozent zurück. Auch Schmierstoffe und Flüssiggas verzeichneten 2018 Absatzverluste.

Es kann davon ausgegangen werden, dass effizientere Heiztechnik, erneuerbare Energien und wärmegedämmte Gebäude ebenso wie E-Mobilität und immer sparsamere Motoren den Energieverbrauch in den kommenden Jahren weiter reduzieren und zu einer Veränderung im Energiemix im Gebäude und bei der Mobilität beitragen.

Auch stellt sich die Frage, wie sich in den kommenden Jahren eine Beschleunigung der Energiewende und weiter verschärfte Anforderungen aus der Klimapolitik auf den Verbrauch von Mineralöl in den einzelnen Sektoren auswirken werden.

Gleichzeitig stimmen die Prognosen darin überein, dass eine Energiewende nicht ohne flüssige Energieträger funktioniert, die allerdings in Zukunft zu immer geringerem Umfang aus fossilen Rohstoffen hergestellt werden und damit zunehmend weniger CO₂ emittieren werden. Auch der Anteil von Gas als Kraftstoff – ob als Flüssig- bzw. Autogas (LPG), Flüssigerdgas (LNG) oder komprimiertes Erdgas (CNG) – dürfte an Bedeutung gewinnen, auch im Schwerlastverkehr.

Im globalen Maßstab wird der Energiebedarf im Unterschied zu Deutschland und Europa indes weiter zunehmen. Wobei der Mineralölverbrauch in den kommenden Jahrzehnten zwar stagnieren dürfte, aber dennoch eine große Bedeutung behält.

All das dürfte nicht ohne Folgen für die Hersteller von Tank- und Spezialfahrzeugen bleiben, deren Markt sich ebenso wandelt wie jener der Energiehändler und für die das Exportgeschäft einen wachsenden Stellenwert bekommt.

Aus: AGEB-Quartalsbericht Q4 (PDF), Seite 18

2019-08-14T09:44:18+02:00

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Mineral market – key facts, consequences and questions

Der Mineralölmarkt 2018 brachte einige Höhen und Tiefen, denen der mittelständische Handel und die einschlägigen Speditionsunternehmen dank einer flexiblen und durchdachten Logistik erfolgreich begegnete und damit eine zuverlässige Versorgung der Endkunden im Wärmemarkt und an der Tankstelle sicherstellte.

Nach den vorliegenden Daten der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen für den deutschen Markt sank der Verbrauch von Mineralöl im vergangenen Jahr insgesamt um 5,6 Prozent. Den stärksten Rückgang verzeichnete der Absatz von Heizöl. Beim Otto- und beim Dieselkraftstoff kam es nur zu leichten Rückgängen, beim Flugkraftstoff dagegen zu einer Absatzsteigerung.

Im Heizölbereich sorgten offenbar einige zusätzliche Faktoren dafür, dass der Absatz nach bisherigen Auswertungen in Deutschland um rund 15 Prozent gefallen ist. Der durch eine Explosion verursachte Ausfall in der Bayernoil-Raffinerie Vohburg seit Anfang September und das gleichzeitig mit Versorgungsengpässen einhergehende Niedrigwasser auf dem Rhein waren zwei Probleme, die so manchem Anbieter im Mineralölgeschäft 2018 die Sorgenfalten auf die Stirn trieben. Besonders betroffen war der Süden der Republik und damit ausgerechnet die Region mit den meisten Heizölkunden.

Bild: Erdölraffinerie // © Eak-sikgun/shutterstock.com

Steigende Preise, steigende Kosten

Diese reagierten auf die Preise, die von September bis November 2018 teilweise erheblich über den derzeitigen lagen, und verschoben ihre Bestellungen oder orderten nur kleinere Mengen nach. Das zeigt, dass im Unterschied zum Tankstellenmarkt, in dem Absatz und Verbrauch nahe beieinander liegen, diese beiden Größen im Wärmemarkt teilweise erheblich auseinanderfallen. Hier nutzen die Heizölkunden ihre sichere Energiereserve in den eigenen Tanks, um Preisspitzen „auszusitzen“, um zu günstigeren Konditionen ihre Bestände wieder aufzufüllen.

Das führt regelmäßig zu starken Nachfrageschwankungen, an die sich der Handel mit seinen Tankfahrzeugen und seinem Fahrpersonal anpassen muss. Dabei erweisen sich die flexibel einsetzbaren Fahrzeugflotten im Mittelstand als großer Vorteil. Diese waren sowohl in der Lage, die Versorgungsengpässe zu meistern als auch absatzschwache Zeiten abzufedern.

Angesichts der zeitweise schwierigen Versorgungslage im Süden Deutschlands wurde vorrübergehend das Sonntagsfahrverbot aufgehoben. Das brachte zwar für den einen oder anderen eine Erleichterung und entzerrte den Druck, mit der gleichen Anzahl an Fahrzeugen eine deutlich höhere Transportleistung umsetzen zu müssen. Viele Unternehmen verwiesen jedoch darauf, dass die begrenzte Zahl an Fahrern das eigentlich limitierende Element war. Um ihren Beschäftigten wenigstens einen Ruhetag in der Woche zu gönnen, blieb der Sonntag trotz der Freigabe überwiegend ungenutzt.

Eine zusätzliche Kostenbelastung von mehreren 1.000 Euro brachte die neue Bundesstraßenmaut ab Juli 2018 für die Logistiker. Das führte trotz harten Wettbewerbs letztlich zu einer Erhöhung der Endverbraucherpreise, da die Unternehmen gezwungen sind, die Gebühren umzulegen, um wirtschaftlich arbeiten zu können.

Trends

Bemerkenswert an der Absatzentwicklung im Jahr 2018 ist auch die erstmals sinkende Nachfrage nicht nur nach Benzin, sondern auch nach Dieselkraftstoff in Deutschland. Trotz steigender Anforderungen an den Lieferverkehr ging nach Jahren kontinuierlicher Aufwärtsentwicklung der Dieselverkauf erstmals um knapp 3 Prozent zurück. Auch Schmierstoffe und Flüssiggas verzeichneten 2018 Absatzverluste.

Es kann davon ausgegangen werden, dass effizientere Heiztechnik, erneuerbare Energien und wärmegedämmte Gebäude ebenso wie E-Mobilität und immer sparsamere Motoren den Energieverbrauch in den kommenden Jahren weiter reduzieren und zu einer Veränderung im Energiemix im Gebäude und bei der Mobilität beitragen.

Auch stellt sich die Frage, wie sich in den kommenden Jahren eine Beschleunigung der Energiewende und weiter verschärfte Anforderungen aus der Klimapolitik auf den Verbrauch von Mineralöl in den einzelnen Sektoren auswirken werden.

Gleichzeitig stimmen die Prognosen darin überein, dass eine Energiewende nicht ohne flüssige Energieträger funktioniert, die allerdings in Zukunft zu immer geringerem Umfang aus fossilen Rohstoffen hergestellt werden und damit zunehmend weniger CO₂ emittieren werden. Auch der Anteil von Gas als Kraftstoff – ob als Flüssig- bzw. Autogas (LPG), Flüssigerdgas (LNG) oder komprimiertes Erdgas (CNG) – dürfte an Bedeutung gewinnen, auch im Schwerlastverkehr.

Im globalen Maßstab wird der Energiebedarf im Unterschied zu Deutschland und Europa indes weiter zunehmen. Wobei der Mineralölverbrauch in den kommenden Jahrzehnten zwar stagnieren dürfte, aber dennoch eine große Bedeutung behält.

All das dürfte nicht ohne Folgen für die Hersteller von Tank- und Spezialfahrzeugen bleiben, deren Markt sich ebenso wandelt wie jener der Energiehändler und für die das Exportgeschäft einen wachsenden Stellenwert bekommt.

Aus: AGEB-Quartalsbericht Q4 (PDF), Seite 18

2019-08-14T10:02:15+02:00

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