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Der Primärenergieverbrauch ist im vergangenen Jahr deutlich gesunken. Deutschland hat damit sein CO2-Ziel für 2020 erreicht. Einen – wenn auch vergleichsweise geringen – Anteil daran hat auch der rückläufige Kraftstoffverbrauch.

Der Energieverbrauch ist in Deutschland in 2020 gegenüber dem Vorjahr um 8,7 Prozent – und damit auf ein historisches Tief – zurückgegangen. Im Vergleich zu 2006, dem Jahr mit dem bisher höchsten Energieverbrauch in Deutschland seit der Wiedervereinigung, beträgt der Rückgang rund 21 Prozent, wie die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AG Energiebilanzen) berichtet. Die energiebedingten CO2-Emissionen sind voraussichtlich um rund 80 Millionen Tonnen, bzw. 12 Prozent gesunken und dürften dadurch im vergangenen Jahr 42,3 Prozent unter dem Wert von 1990 gelegen haben, wie die Denkfabrik Agora Energiewende berechnete. Auf diese Weise hat Deutschland sein Ziel von 40 Prozent Reduzierung wider Erwarten doch noch erreicht.

Allerdings: Der Erfolg ist teuer erkauft. Denn ohne die Corona-Einschränkungen mit ihren verheerenden Folgen für viele Unternehmen hätte der Rückgang nur bei etwa 25 Millionen Tonnen gelegen. Die Minderung hätte dann nur 37,8 Prozent betragen – das 2020-Ziel wäre verfehlt worden.

Anteil an dem Rückgang des Energieverbrauchs hatte auch der Mineralölbereich. So ermittelte die AG Energiebilanzen, dass der Verbrauch von Mineralöl in 2020 insgesamt um 12,1 Prozent sank. Während Heizöl einen leichten Zugewinn verbuchen konnte, mussten die Kraftstoffe ordentlich Federn lassen. Der Absatz von Ottokraftstoff reduzierte sich nach den bisher vorliegenden Angaben um 9,3 Prozent, der von Dieselkraftstoff um 7,7 Prozent. Besonders hart traf es den Flugkraftstoff, dessen Verbrauch sich rund halbierte.

Diese Entwicklung bekamen auch die Fahrzeughersteller zu spüren: Die Nachfrage nach Tankfahrzeugen für den Flugfeldbereich ließ stark nach, während andere Segmente vergleichsweise stabil weiterliefen.

Das hatte natürlich mit der Geschäftsentwicklung im Mineralölhandel zu tun. An öffentlichen Tankstellen machten sich die Lockdowns unmittelbar bemerkbar. In Regionen, in denen Ausganssperren verhängt wurden, reduzierten die Tankstellenbetreiber ihre Öffnungszeiten und teilweise auch das Personal. Weniger stark fielen die Schwankungen bei den gewerblichen Dieselkunden aus. Hier kam es darauf an, in welchem Bereich die Unternehmen tätig sind. Lieferdienste und Transportunternehmen etwa hatten einen gleichbleibend hohen Kraftstoffbedarf, Industriekunden waren dagegen teilweise von Stilllegungen betroffen.

Unterm Strich war 2020 aber ein recht gutes Jahr mit auskömmlichen Margen für den Mineralölhandel. Kritisch wird dagegen die Entwicklung in 2021 betrachtet. Wie sich die Corona-Pandemie auf die Wirtschaft auswirkt, kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht vollständig abgeschätzt werden. Dementsprechend ist auch keine sichere Absatzprognose für das Mineralölgeschäft möglich.
Klar ist: Die Heizölnachfrage bleibt zumindest im ersten Quartal 2021 auf einem historischen Tief, da die Kunden im Vorjahr bei günstigen Preisen ihre Tanks gefüllt haben. Der nun doch eingesetzte Winter könnte die Nachfrage etwas ankurbeln – aber wohl erst ab April.

An öffentlichen Tankstellen bestimmen die Lockdown-Regeln die Entwicklung der kommenden Wochen. Im gewerblichen Bereich muss abgewartet werden, wie die Wirtschaft sich erholt. Mit Margen wie im vergangenen Jahr rechnet die Mineralölbrache bisher allerdings nicht.

Bildnachweis/Quelle: © AG Energiebilanzen