Mittelständische Tankstellenunternehmen bauen die LNG- und CNG-Infrastruktur aus. Fördermittel erleichtern die Investitionen in schwere Nutzfahrzeuge. CO2-Emissionen können reduziert werden und Gas als Kraftstoff bietet neben treibhausgasreduzierten flüssigen Kraftstoffen eine Zukunftslösung für den Langstreckentransport, wo in absehbarer Zeit eine Elektrifizierung nicht absehbar ist.

Bildnachweis: © BayWa, LNG-Tankstelle in Nördlingen

Erdgas erfreut sich bei vielen Logistikern als emissionsarmer Kraftstoff wachsender Beliebtheit. Nach einer aktuellen Erhebung der Brancheninitiative Zukunft Gas verdreifachte sich die Absatzmenge von flüssigem Erdgas (LNG) an den 46 deutschen LNG-Tankstellen im Jahr 2020 gegenüber dem Vorjahr.

Auslöser für diese Entwicklung ist die steigende Nachfrage nach LNG-Lkw im Rahmen des 2018 eingeführten Förderprogramms „Energieeffiziente und/oder CO2-arme schwere Nutzfahrzeuge“ (EEN). Von den insgesamt bis Ende 2020 beantragten 5.034 Fahrzeugen waren 4.355 LNG-Nutzfahrzeuge. Dies entspricht 87 Prozent aller Förderanträge. Weitere 12 Prozent entfielen auf CNG-Nutzfahrzeuge (602 Fahrzeuge). 99 Prozent der Förderanträge entfallen also auf Gas-Lkw, Fahrzeuge mit Elektromotor spielen im Schwerlastbereich damit praktisch keine Rolle.

Das schlägt sich auch in der Neuzulassungsstatistik des Kraftfahrt-Bundesamts nieder: Mit fast 1.400 neu zugelassenen Erdgas-Fahrzeugen hat das Segment der Zugmaschinen im Jahr 2020 einen Rekord verzeichnet.

Dr. Timm Kehler, Vorstand von Zukunft Gas, sieht viele Vorteile in dem alternative Kraftstoff Erdgas für den Schwerlastverkehr: „Logistiker profitieren nicht nur von hohen Reichweiten und zügigen Tankvorgängen ohne unnötige Standzeiten. Auch finanziell lohnt sich ein Umstieg hin zu Erdgas dank der Mautbefreiung, die bis 2022 gilt. Und mit der Fortführung der Fahrzeugförderung im Rahmen des Flottenaustauschprogramms für Lkw unterstützt der Gesetzgeber dem Markthochlauf zusätzlich“, so Kehler.

Auch der Tankstellenausbau schreitet weiter voran, deutschlandweit werden zu den 46 bestehenden LNG-Stationen im laufenden Jahr weitere ihren Betrieb aufnehmen.

In Europa wurden seit 2020 etwa 300 neue CNG-Stationen gebaut. Ende April hat das europäische Gastankstellennetz den Meilenstein von 4.000 CNG- und 400 LNG-Tankstellen erreicht.

Für die Senkung der verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen kann Erdgas einiges leisten. Laut Zukunft Gas wurden die Klimaschutz-Erwartungen deutlich übertroffen: Allein im Jahr 2020 wurde durch den Absatz von knapp 48.000 Tonnen LNG gegen-über Diesel-Fahrzeugen ein CO2eq-Ausstoß von etwa 36.500 Tonnen vermieden. Laut den Planungen erwartete das Bundesverkehrsministerium für 2020 nur Einsparungen von 20.000 Tonnen CO2-Äquivalenten.

Wird in Zukunft vermehrt Bio-LNG eingesetzt wird, sind die Fahrzeuge sogar nahezu klimaneutral unterwegs. Darüber hinaus sinkt durch die Nutzung von Erdgas – sowohl in Form von LNG als auch CNG – der Ausstoß von Stickoxiden und Feinstaub deutlich. An mehr als 50 Prozent aller Tankstellen in Deutschland können Erdgas-Fahrer schon heute zu 100 Prozent Biogas tanken, so Zukunft Gas.

Im Vergleich zu ihren Diesel-Pendants weisen Gas-LKW zudem 50 Prozent geringere Lärmemissionen auf. Dadurch eignen sich Erdgas-Fahrzeuge insbesondere im innerstädtischen Bereich auch für nächtliche Warenlieferungen.

Bisher sind Erdgasantriebe bei Tankfahrzeugen noch nicht anzutreffen, wie die Fahrzeughersteller berichten. Aber das kann sich ja noch ändern.