Für die Logistiker, die flüssige Kraftstoffe befördern – ganz gleich ob klassische oder alternative – ist es eine entscheidende Frage: Womit wollen die Menschen in den kommenden Jahren unterwegs sein? Die Bedeutung des eigenen Autos überwiegt dabei weiterhin klar die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel.

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Auf ihr Auto wollen die meisten Deutschen weiterhin nicht verzichten. Nach den 2021 vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Daten lag der Pkw-Anteil am motorisierten Personenverkehr 2019 bei über 80 Prozent. Busse und Bahnen kamen zusammen auf weniger als 20 Prozent. Damit liegen die Deutschen übrigens voll auf der Linie ihrer europäischen Nachbarn. Hier ist die Dominanz des Autos ähnlich stark.

Der Motorisierungsgrad hat hierzulande in den letzten Jahrzehnten entsprechend zugenommen. Waren es laut Umweltbundesamt im Jahr 2000 noch 532 Pkw pro 1.000 Einwohner, ist diese Zahl bis zum Jahr 2020 auf 580 (Stichtag 1.1.2021) angestiegen.

Gleichzeitig ist absehbar, dass die Zahl der auf deutschen Straßen rollenden Pkw mit Verbrennungsmotor so schnell nicht abnimmt. Im Jahr 2021 lag der Anteil reiner batterieelektrisch betriebener Neufahrzeuge bei reichlich 13 Prozent. Im Umkehrschluss: Knapp 87 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge hatten zumindest auch einen Verbrennungsmotor an Bord, rund 57 Prozent waren reine Verbrenner, die mit Benzin oder Diesel angetrieben werden.

Nun ist es allerdings eine politische Strategie, nicht nur Emissionen im Verkehr zu senken, sondern Vermeidung des Individualverkehrs. In einer vom Umweltbundesamt bereits 2018 veröffentlichten bundesweiten Fußverkehrsstrategie wird als Ziel die Verringerung der Pkw-Dichte auf einen langfristigen Wert von 150 Pkw pro 1.000 Einwohner genannt. Das wäre nur noch rund ein Viertel der heutigen Pkw-Dichte.

Wie realistisch ist das und was wollen die Menschen in Deutschland?

Der DAT-Report 2022 den die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) Anfang Februar 2022 veröffentlichte, hält dazu detaillierte Antworten bereit. Für die umfangreiche Studie wurden 4.500 Endverbraucher befragt.

Bedeutung des Automobils bleibt hoch
Mit durchschnittlich 79 Prozent – das sind sogar 4 Prozentpunkte mehr als in 2020 – will die überwiegende Mehrheit im Alltag nicht auf ihr Auto verzichten. In Kleinstädten mit weniger als 20.000 Einwohnern liegt dieser Anteil sogar bei 86 Prozent, in Großstädten immerhin noch bei 69 Prozent.

Elektromobilität zwischen Anspruch und Realität
Einerseits sind Pkw mit reinem Batterieantrieb oder Hybrid-Fahrzeuge in der Wahrnehmung allgegenwärtig. Im Alltag spielen sie nach dem aktuellen DAT-Report aber noch eine untergeordnete Rolle.

Zwar hat das Interesse von Neuwagenkäufern in 2021 an der Anschaffung eines Pkw mit alternativen Antrieben deutlich zugelegt (59 Prozent). Bei den Pkw-Haltern gab indes nur knapp die Hälfte (46 Prozent) an, dass sie sich vorstellen könnten, auf ein rein elektrisches Fahrzeug umzusteigen. Der Rest, so der DAT-Report könne es sich entweder gar nicht vorstellen (31 Prozent) oder ist noch unsicher (22 Prozent). Überdies wollen die Umstiegswilligen meist (79 Prozent) erst in drei Jahren oder später einen solchen Pkw mit alternativem Antrieb anschaffen.

Die Vorbehalte gegenüber batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV) ist offenbar noch recht groß. Die Mehrheit der Befragten (67 Prozent) will noch auf einen weiteren Technologiesprung warten. Hinzu kommt, dass mit 46 Prozent weniger als die Hälfte der Meinung war, BEV seien bei der Nutzung umweltfreundlich und gar nur 12 Prozent sahen einen Umweltvorteil bei der Herstellung.

Auf Basis von Wasserstoff, CO₂ und erneuerbarem Strom hergestellte synthetisch Kraftstoffe (E-Fuels) erfreuen sich inzwischen offenbar immer höherer Bekanntheit. Von allen Neuwagenkäufern haben sich nach dem DAT-Report 2022 bereits 35 Prozent mit dieser Kraftstoff-Alternative befasst. Von dieser Teilgruppe bestätigten 60 Prozent, dass E-Fuels „vielversprechend“ sind und „eine klimaschonende Alternative zur Elektromobilität“ darstellen.

Anschaffung eines neuen Pkw immer komplexer
Lieferschwierigkeiten im Neuwagenbereich und ein fehlendes Angebot an Gebrauchtwagen führte in beiden Segmenten in 2021 zu deutlichen Rückgängen. So gab es nach den Daten des Kraftfahrt-Bundesamten im vergangenen Jahr 6,7 Millionen Besitzumschreibungen und 2,62 Millionen Neuzulassungen.

Gleichzeitig stiegen die Preise. Sowohl bei neuen, als auch bei gebrauchten Pkw musst so viel wie noch nie bezahlt werden.

Da wundert es nicht, dass sich das durchschnittliche Alter des Pkw-Bestandes in Deutschland immer weiter in Richtung 10 Jahre bewegt. Die überwiegende Zahl der Autofahrer geht entsprechend pfleglich mit ihrem fahrbaren Untersatz um. Das bedeutet natürlich auch: Die mit Verbrennungsmotoren ausgestattete Bestandflotte wird nicht nur Jahr für Jahr größer, sondern ebenso immer älter.