Nach ihrer Corona-bedingten Verschiebung wir die internationale Fachmesse expo PetroTrans in diesem Jahr erstmals in Verbindung mit der expo GasTrans stattfinden. Schaut man auf die Fortschritte die gasförmige Kraftstoffe machen, wird hier sicher einiges an Innovationen auf die Besucher warten. Bio-Erdgas könnte als Kraftstoff gerade für schwere Lkw, aber auch im Pkw-Bereich an Bedeutung gewinnen.

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Obwohl Lkw nur einen Anteil von sechs Prozent aller Fahrzeuge auf deutschen Straßen ausmachen, verursachen sie 30 Prozent der gesamten Verkehrsemissionen. Angesichts wachsender Transportleistung, dürfte hier mit weiteren Steigerungen zu rechnen sein.

Da eine Elektrifizierung gerade des Schwerlastverkehrs schwierig ist, bietet sich hier besonders die Nutzung alternativer Kraftstoffe an. Die Bandbreite dafür wird immer größer und reicht von Bio-Diesel über synthetische Kraftstoffe bis zu Wasserstoff.

Eine Möglichkeit stellen gasbetriebene Lkw dar, die künftig mehr und mehr mit Biogas betrieben werden könnten. Daher sprechen sich Zukunft Gas sowie der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) in einem gemeinsamen Positionspapier mit Nachdruck für die Nutzung des Klimaschutzpotenzials von Bio-LNG bei Lkw aus.

Bei Bio-LNG handelt es sich um verflüssigtes Biogas. Mit diesem alternativen Kraftstoff betriebene Fahrzeuge fahren nahezu klimaneutral. Aktuell ist es insbesondere für den Langstreckengüterverkehr eine marktreife Technologie, die zu geringen Kosten sofortige CO₂-Einsparungen verspricht, wie die beiden Organisationen einschätzen.

Würden im Jahr 2025 alle mit CNG (komprimiertes Erdgas) und LNG (Flüssigerdgas) fahrenden Lkw mit Biomethan betankt, sei eine Treibhausgasreduktion von 1,6 bis 1,9 Millionen Tonnen CO₂eq möglich. Die Produktion von Bio-LNG hat in den letzten Monaten deutlich an Fahrt aufgenommen. Namenhafte LNG-Tankstellenbetreiber und Biomethanlieferanten haben mit dem Aufbau entsprechender Projekte begonnen. In Deutschland kann laut einer Mitgliederbefragung des Branchenverbands Zukunft Gas ab 2023 mit einem signifikanten Anteil Bio-LNG im Markt gerechnet werden.

Vor diesem Hintergrund betont Dr. Timm Kehler, Vorstand von Zukunft Gas: „Wollen wir die ambitionierten Klimaschutzziele erreichen, darf sich die Politik jetzt nicht nur auf eine Technologie für den Straßengüterverkehr fokussieren. Bio-LNG bietet dem Sektor eine große Chance für schnellen und wirksamen Klimaschutz. Die Politik muss dies nun erkennen und die regulatorischen Rahmenbedingungen anpassen, um Verlässlichkeit für Bio-LNG-Hersteller und Spediteure zu schaffen.“

Die Verbände fordern daher, dass der Einsatz von Biomethan im Transportsektor bei der Revision der EU-Flottengrenzwerte positiv berücksichtigt wird und das Bio-LNG sowohl auf europäischer als auf nationaler Ebene im Rahmen der Eurovignetten-Richtlinie weiterhin eine größtmögliche Mautermäßigung erhält. Mit 100 Prozent Biomethan betriebene Lkw dürften nicht schlechter gestellt werden als andere Zero-Emission-Lkw.

Wie BGL-Vorstandssprecher Prof. Dr. Dirk Engelhardt hervorhebt wollen die mittelständischen Transport- und Logistikunternehmen gern ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Leider gäbe es bislang aber kaum technologische Alternativen am Markt. Großserien für E-Lkw und Wasserstoff-Lkw würden erst zum Ende der 20er Jahre erwartet.

Aber auch im Pkw-Bereich konnten Erdgas-Fahrzeuge im vergangenen Jahr punkten. Zwei von ihnen stehen ganz oben auf der Liste der umweltfreundlichsten Autos beim ADAC Ecotest 2021. Auf Rang eins befindet sich der Seat Leon TGI, knapp dahinter der VW Golf TGI. Erst dahinter folgen E-Fahrzeuge und die übrigen Antriebsarten, freute sich auch der CNG-Club.

Für die Prüfingenieure des ADAC ist das wenig überraschend. Schließlich zeigen CNG-Fahrzeuge seit Jahren, dass sie im Vergleich zu Dieseln und Benzinern weniger Schadstoffe in die Luft blasen und gleichzeitig weniger CO₂ emittieren.

Die Autoindustrie fokussiert sich stattdessen auf den Elektroantrieb, nicht zuletzt, weil E-Autos nach offizieller Lesart als Null-Emissionsautos gelten. Doch auch E-Autos verbrauchen Energie – und bei der Stromerzeugung sind Kraftwerke mit Abgasemissionen beteiligt. Daher nimmt der ADAC den aktuellen Kraftwerksmix in der Bundesrepublik und den Testverbrauch samt anfallender Ladeverluste als Grundlage für seine Berechnungen. So „emittiert“ auch ein E-Auto CO₂ und Schadstoffe – nur eben nicht am Auspuff. Mit dieser Berechnung landen die E-Autos – allerding nur knapp – hinter den Erdgasautos.

Bei genauer Betrachtung könnte der Abstand aber durchaus größer sein, wie der CNG-Club zu bedenken gibt. So zog der ADAC zur Bewertung der Umweltfreundlichkeit zwei Kategorien heran: Zum einen wurden Schadstoffemissionen wie Kohlenmonoxid (CO), Partikel und Stickoxide (NOX) ausgewertet, zum anderen der CO₂-Ausstoß. Als Berechnungsgrundlage für die Emissionen hatte der ADAC 40 Prozent BioCNG am CNG-Deutschland-Mix angegeben. „Der Anteil von BioCNG in Deutschland ist aber bereits Ende 2021 auf rund 80 Prozent geklettert. Das verbessert wiederum die Umweltbilanz des CNG-Antriebs. Damit kann sich CNG nochmals stärker von den Stromern abheben“, erläutert Miklós Graf Dezasse, Präsident des CNG-Clubs.