Ohne AdBlue geht nichts mehr im Dieselbereich. Der Bedarf steigt schnell und damit die Anforderungen an die Lieferanten, die Harnstofflösung kostengünstig, flexibel und zuverlässig zum Kunden zu bringen. Die Fahrzeughersteller haben dafür in den vergangenen Jahren verschiedene Lösungen entwickelt, die teilweise bereits erfolgreich in der Praxis im Einsatz sind. Wir liefern Ihnen drei Beispiele dafür.

Ausgangslage

Allein im Jahr 2018 wurden nach der Analyse des Kraftfahrt-Bundesamtes in Deutschland trotz aller Negativ-Diskussion um den Selbstzünder über 1,1 Millionen neue Diesel-Pkw zugelassen, die alle mit der SCR-Technologie ausgerüstet sind. SCR steht bekanntermaßen für „Selektive katalytische Reduktion (englisch selective catalytic reduction)“ eine Abgasreinigung, bei der im Fahrzeug durch die Harnstofflösung AdBlue eine bis zu 90-prozentige Reduktion der Stickstoffemissionen erreicht wird.

Für Lkw schon über 15 Jahre im Einsatz, nutzen nun auch immer mehr Euro6-Diesel-Pkw diese Technik. Die Tankstellen sehen es als wichtiges Zusatzprodukt und rüsten in wachsendem Maße ihre Stationen auch für Pkw mit AdBlue-Tankanlagen aus. Doch nicht nur hier, sondern ebenso bei Speditionen, in der Landwirtschaft oder für die Fahrzeuge von Baubetrieben wird AdBlue benötigt.

Der Adblue-Verbrauch eines Lkw liegt in der Regel bei etwa 4 bis 6 Prozent des Kraftstoffverbrauches. Ein Pkw benötigt je nach Fahrzeugtyp je 1.000 bis 1.500 Kilometer einen Liter AdBlue.

Ergo: Wo Diesel benötigt wird, wird auch AdBlue gebraucht.

Diesem Grundsatz entsprechend haben mehrere Fahrzeughersteller in den vergangenen Jahren Systeme entwickelt, die es erlauben, unabhängig von einem ausschließlich für den AdBlue-Transport konzipierten Spezialfahrzeug, mit einem Lieferfahrzeug Diesel und AdBlue gemeinsam zum Kunden zu bringen und die auf den Bedarf mittelständischer Verbraucher angepasst sind.

So entstanden insbesondere für mittelständische Diesel-Lieferanten flexible, praktische und kostengünstige technische Lösungen.

AdBlue-Betankungsmodul und vollintegrierte AdBlue-Tankkammer von der Kurt Willig GmbH & Co. KG

Den Startschuss dafür gab der Fahrzeugbauer Willig aus Straubing, der schon im Jahr 2012 zur expo PetroTrans ein „Huckepack“-System vorstellte, mit dem klassische Fahrzeuge auch zur AdBlue-Belieferung genutzt werden können. Das kompakte und isolierte GFK Sandwich-Gehäuse beinhaltet alles, was zur AdBlue-Belieferung benötigt wird: Befüll- und Abgabeeinrichtung sowie einen Edelstahltank. Möglich sind auch eine Warmluftheizung und eine Füllstandsanzeige.

Das AdBlue-Betankungsmodul besteht aus einem Edelstahlbehälter mit wahlweise 600 oder 900l (brutto) Fassungsvermögen, einem Messanlagenmodul – wahlweise in eichfähiger oder nicht eichfähiger Ausführung, einer elektrischen Pumpe und max. 30m Vollschlauch. Es kann fest mit dem Fahrzeug verbaut oder abnehmbar gestaltet werden. In letzterer Ausführung ist es mit Staplertaschen versehen, mittels derer es leicht an- und abmontiert werden kann. Die GFK-Einhausung sorgt für die nötige Isolierung. Optional kann auch eine elektrische Heizung (700 W) ergänzt werden. Das gesamte Modul lässt sich auch – dann ohne Isolierung – in einem Heck- oder Frontschrank verbauen.

Schnellverschlüsse sorgen dafür, dass das Gehäuse unkompliziert mit Hilfe eines Gabelstaplers aufgenommen werden kann. Die geringe Tiefe verhindert einen zu langen hinteren Überstand. Der große Vorteil des Willig-Betankungsmoduls – so hebt der Technische Leiter des Fahrzeugbauers hervor – liegt darin, dass es nach technischer Überprüfung jederzeit nachgerüstet werden kann, sogar bei Fahrzeugen anderer Hersteller.

Für Fahrzeuge, die ständig AdBlue und Dieselkraftstoff ausliefern sollen, hat Willig eine vollintegrierte AdBlue-Tankkammer entwickelt. Diese kann in den Tank als „Nicht-ADR-Kammer“ eingebaut werden. Ein stabiler ca. zwei bis drei Millimeter starker GFK-Inliner sorgt auch hier für Langzeitschutz des Wandungsmaterials vor der aggressiven Harnstofflösung. Je nach Tankform kann die AdBlue-Kammer 2.000 Liter oder mehr aufnehmen. Die Armaturen und Domdeckel sind aus AdBlue beständigen Materialien. Das dazugehörige Messsystem wird in eichfähiger oder nicht eichfähiger Ausführung angeboten. Die Abgabearmaturen können wahlweise in einem isolierten Schrank verbaut werden.

Bild: Christian Zankl von Willig stellte 2012 auf der Messe in Kassel erstmals ein „Huckepack“-System für die effiziente AdBlue-Belieferung vor.

Die „BlueFix“ von der Lindner & Fischer Fahrzeugbau GmbH“

Der Langenauer Fahrzeugbauer stellte auf der expo PetroTrans 2018 eine innovative Idee für die AbBlue-Belieferung vor – praktisch, gut handhabbar und formschön.

Das neue „L&F BlueFix“-Konzept für den gleichzeitigen Transport von Diesel und AdBlue von Lindner&Fischer besteht aus einem Edelstahltank mit 1.000 Liter Brutto-Volumen, der individuell an das Tankfahrzeug, auf dessen Behälter sowie entsprechend der restlichen Konfiguration angepasst werden kann. Lindner & Fischer hat damit sein bestehendes Baustellenprogramm ergänzt, zu dem Fahrzeuge mit Heckschrank und Edelstahl-Behälter im Heckschrank von etwa 400 bis 800 Liter gehören.

Montiert wird das „BlueFix“-Tankmodul am Heck des Tankaufbaus, wo sich eine Vorrichtung befindet, an die der Tank von oben eingehängt werden kann. Unten lässt sich der Zusatzbehälter zur nötigen Stabilisierung mit ein paar wenigen Handgriffen fixieren. Sowohl die Montage als auch die Demontage sind entweder mit einem Gabelstapler, einem kleinen Kran oder direkt mit Hilfe der mobilen „BlueFix“-Montage- und Lagervorrichtung möglich. Letztere dient auch dazu den AdBlue-Tank sicher aufzubewahren, wenn er nicht für die Belieferung benötigt wird.

Wird gerade auf Baustellen und in der Landwirtschaft saisonal kein AdBlue benötigt, bleibt dem Tankfahrzeug zum Heizöltransport die maximal mögliche Nutzlast erhalten und es steht ohne Einschränkungen etwa im Winter für die Kundenbelieferung mit Heizöl oder Diesel zur Verfügung.

Auch der Anhängerbetrieb wird nicht behindert: Sowohl die Anhängerkupplung als auch die benötigten Verbindungsleitungen können ohne Beeinträchtigung genutzt werden.

Die Fahrzeugdimensionen bleiben in Länge, Radstand und Rahmenüberhang identisch zu einem nicht mit der „L&F BlueFix“ ausgestatteten Tankfahrzeug. Nur die Fahrzeughöhe nimmt je nach Tankgröße minimal zu, um die 1.000 Liter, die hinten für den AdBlue-Behälter benötigt werden, auszugleichen.

„Es ist dem Fahrzeug kaum anzusehen, dass ein Zusatztank am Fahrzeugheck angebracht ist. Denn dieser fügt sich fast nahtlos an den Haupttank und beide werden nur durch eine geringfügige Sichtfuge getrennt. Der optische Gesamteindruck bleibt unverändert. Wenn der AdBlue-Behälter abgenommen wurde, fällt auch nicht auf, dass etwas fehlt“, schildert Stefan Lindner.

Die Abgabearmaturen, einschließlich Pumpe und Vollschlauchanlage sind im „BlueFix“-Armaturenschrank hinten rechts am Fahrzeug untergebracht. Als weitere Ausbaustufe ist geplant, die Abgabeeinrichtung auf eine mobile Grundplatte zu montieren, um sie komplett entnehmen zu können. Das würde bei Nichtverwendung des AdBlue-Behälters zusätzlich die mögliche Nutzlast erhöhen.

Das Trockenkupplungsstecksystem ermöglicht ein unkompliziertes Anschließen des Tanks an die Pumpleitung. Die Befüllung des AdBlue-Behälters erfolgt von unten über Fremdpumpe. Optional ist auch die Selbstbefüllung über eine reversierbare Pumpe möglich.

Die Inhaltsanzeige der „L&F BlueFix“ erfolgt alternativ mittels Peilstabsystem oder direkt über das Fahrer-Informations-System (FIS) von Lindner & Fischer.

In Kombination mit dem Messsystem „TIGER 3003“ von Bartec kann die AdBlue-Abgabeeinheit mit der neuen „Bartec 3003 chem“, dem flexiblen und MID-zugelassenen Messsystem für Harnstoff und andere Flüssigkeiten, über einen gemeinsamen Rechner im Armaturenschrank gesteuert und bedient werden. Damit laufen sowohl die Diesel- als auch die AdBlue-Lieferung über eine geeichte Abgabe. Für beides wird nur ein gemeinsamer Rechner und ebenso nur ein Drucker benötigt. Pro Abgabestelle werden dadurch Sammelbelege für die Diesel- und AdBlue-Menge ausgegeben. Darüber hinaus können alle Ausrüstungsoptionen des „TIGER“-Systems genutzt werden wie beispielsweise die Integration in die Bürokommunikation des Mineralölunternehmens.

Bild: Schmiegt sich nahtlos an das Tankfahrzeug an und bildet eine optische Einheit: die „L&F BlueFix“.

Tankintegrierte AdBlue-Lösung von der Dr.-Ing. Ulrich Esterer GmbH & Co. Fahrzeugaufbauten und Anlagen KG

Geringer Aufwand, optimierter Transport und Abgabe, hohe Wirtschaftlichkeit des Fahrzeugs. Das sind nur einige Aspekte, die man bei Esterer verfolgt hat, als die Helsaer Fahrzeugbauer gemeinsam mit ihren Kunden eine neue, ins Tankfahrzeug integrierte Abgabevorrichtung für AdBlue entwickelten.

Bereits 2014 war am Esterer-Stand auf der expo PetroTrans eine integrierte AdBlue-Abgabevorrichtung zu sehen. Wesentliche Argumente dafür: Die Betankung vor Ort ist nur mit geringem Aufwand verbunden und kann mit einem Fahrzeug und einem Bediener durchgeführt werden. Durch die raumsparende Bauweise bleibt die Kapazität für reinen Diesel- oder Heizöltransport im rentablen Bereich. Zudem konnten schon damals die messtechnischen Einrichtungen wahlweise als geeichte Version eingebaut werden, um eine Abrechnung vor Ort zu ermöglichen.

Inzwischen haben die Fahrzeugbauer aus Helsa gemeinsam mit einem ihrer Kunden eine neue, ins Tankfahrzeug integrierte Abgabevorrichtung für AdBlue entwickelt, die eine flexible und gleichzeitige Auslieferung von Diesel und Adblue ermöglicht. Das spart Zeit und Kosten. Und auch auf der aktuellen expo PetroTrans wurde ein Fahrzeug präsentiert, das eine optimierte Transport- und Abgabelösung für AdBlue bietet.

„Bei der Entwicklung von Innovationen arbeiten wir oftmals Hand in Hand mit unseren Kunden. So war es auch bei der neuen tankintegrierten AdBlue-Lösung. Sie entstand auf Basis von vielfältigen Kundenanforderungen“, berichtet der Leiter der Produktgruppe Straßentankwagen bei Esterer, Erhard Gunkel.

Das Ergebnis: ein Tankfahrzeug mit einer separaten Tankkammer für AdBlue, „das in punkto Bedienkomfort, Qualität und Flexibilität neue Maßstäbe setzt“, wie Esterer erklärt. „Das Fassungsvermögen der AdBlue-Tankkammer von 2.500 bis 3.500 Litern macht das Fahrzeug vielseitig einsetzbar“, so Gunkel. Damit kann dem stetig wachsenden Bedarf an AdBlue Rechnung getragen werden, zum Beispiel auf Baustellen oder in der Landwirtschaft. Die integrierte AdBlue-Lösung optimiert den Fahrzeugeinsatz, da zusätzliche Transporte von AdBlue vermieden werden. Je nach Größe der AdBlue-Tankkammer erhöht sich auch die Flexibilität. Ob Kleinmengen oder ein größerer AdBlue®-Bedarf: Das zur Verfügung stehende Volumen ermöglicht es, alles in einer Tour zu bedienen.

Ein weiterer Pluspunkt ist die hohe Wirtschaftlichkeit des Fahrzeugs auch abseits des Dieselgeschäfts: Die AdBlue-Innovation lässt sich auch hervorragend zur Versorgung im Heizölbereich sowie auf der Strecke im 40-Tonnen-Zug einsetzen. Erhard Gunkel resümiert: „Das Feedback unserer Kunden ist äußerst positiv – für die Vorteile des neuen Produkts haben wir bereits viel Lob erhalten. Insgesamt eine rundum gelungene Lösung!“

Die neue AdBlue-Lösung von Esterer bewährt sich bereits im praktischen Einsatz. Die AdBlue-Abgabe kann sowohl direkt in Fahrzeug (mit einer Leistung von bis zu 35 Litern pro Minute) erfolgen oder auch in größere Gebinde mit bis zu 200 Litern in der Minute. Beladen wird die AdBlue-Kammer des Tankfahrzeugs in der Regel mittels Fremdpumpe oder optional durch eine hydraulisch angetriebene bordeigene Pumpe im Saugbetrieb. Die Abgabe erfolgt gemäß den Vorschriften des gesetzlichen Messwesens.

Ansgar Nonhoff, Leiter Technik und Entwicklung bei Esterer, erklärt: „Die AdBlue-Kammer ist mittig im Tank angeordnet. Vor und hinter dem AdBlue-Tank befindet sich jeweils ein Abteil für Heizöl oder Diesel.“ Mit etwa 250 Kilo fällt das Mehrgewicht durch die AdBlue-Abgabeeinrichtung gering aus – ein weiterer Vorteil, der zusätzlich zur hohen Rentabilität beiträgt.

Bild: separate AdBlue-Abgabevorrichtung an einem Esterer-Tankfahrzeug